Syrien 2005

Bosrafestival
Deutscher Volkstanz in Syrien
Auf Einladung des syrischen Ministeriums für Kultur und des Direktorats für Theater und Musik reisten am 4. September 2005 35 Volkstänzerinnen und Volkstänzer aus Mitgliedsgruppen der Deutschen Gesellschaft für Volkstanz (DGV) nach Syrien, um dort am 18. Bosra-Festival teilzunehmen. Dabei waren auch acht Tänzerinnen und Tänzer aus Köpenick.
Gruppenbild
Einige Tänzerinnen und Tänzer der Abordnung der DGV beim Gruppenbild.

Neben unserer Gruppe, zu der außerdem Tänzerinnen und Tänzer aus Hamburg, Lüneburg, Salzgitter und Verden gehörten, nahmen Tanzgruppen aus Italien, Spanien, Dänemark, Ungarn, Russland, Österreich, Frankreich, Korea und vier Gruppen aus Syrien und weitere zehn Gruppen aus anderen arabischen Ländern teil. Das Internationale Bosrafestival für Volkskunst, Tanz und Gesang dient dem kulturellen Austausch zwischen den Volkskünstlern der arabischen Welt und den Vertretern anderer Nationen.



Ein farbenfrohes Bild
Jeder unser DGV-Tänzer trug die Tracht seiner Heimatgruppe. Den syrischen Zuschauern bot sich somit bei unseren Auftritten ein wunderschönes farbenfrohes Bild.
Helga Preuß und Rolf Pauer, unserer Tanzleiter auf der Reise, hatten einen bunten Volkstanzreigen mit 14 norddeutschen Volkstänzen zusammengestellt. Dazu gehörten zum Beispiel Dreihdans, Schwedenpolka, Walz-Mazurka, Kathrinchen, Hamburger Bunter und Sauerländer Nr. 4. In drei Übungswochenenden ging es vorher darum, die Tänze perfekt zu beherrschen und vor allem die Verbindungen einzustudieren.

Der Volkstanzpotpourri wurde dann in Syrien in einem 35-minütigen Nonstopp-Programm auf die Bühne gebracht und verlangte allen einiges ab. Während die meisten Gastgruppen aus Jugendlichen bestanden und jung und profihaft über die Bühne wirbelten, konnten wir mit unserem Auftritt belegen, dass man auch in etwas „reiferem“ Alter noch schön und ansprechend tanzen kann. Der kräftige Beifall der Zuschauer bei unseren Auftritten war Beleg dafür.

Ein unvergessenes Gänsehauterlebnis
Bei unserer zehntägigen Reise durchs Land hatten wir drei Auftritte: in Aleppo im Theater für Kultur, in Damaskus im Al Azera Palace und als Höhepunkt der Auftritt im römischen Amphitheaters in Bosra.

Das Amphitheater, ein gewaltiges Bauwerk, das als Schutz vor Zerstörung ehemals mit Erdreich zugeschüttet war, präsentiert sich heute in sehr gutem Zustand. Ein Auftritt dort ist für jeden Künstler ein „Gänsehauterlebnis“. Die phantastische Akustik, das monumentale historische Ambiente und die Zuschauerkulisse (bei unserem Auftritt war immerhin knapp die Hälfte der 15.000 Zuschauerplätze besetzt) machten den Abend zu einem unvergessenen Erlebnis. Der Dank des Bürgermeisters von Bosra in Deutsch (er war einige Jahre als Kulturattache in Deutschland) und der herzliche Beifall des Publikums „gaben uns den Rest“. Während es das Fernsehteam besonders auf unserer Fußarbeit abgesehen hatte, achtete das Publikum wohl vor allem auf die Tanzfolge und unsere Trachten.

Tanzbild
Beim Auftritt der DGV-Gruppe am Abend im historischen Amphitheater in Bosra.

Auf historischen Spuren
Neben den Auftritten an drei Abenden besichtigten wir viele Stätten jahrtausendealter Hochkultur. Hethiter, Nabatäer, Perser, Griechen, Römer - sie alle haben ihre Spuren hinterlassen. Wir erlebten das Großstadttreiben und besuchten den orientalischen Markt in Damaskus, der ältesten bis heute besiedelten Stadt, die durch das Wasser zu einer grünen Oase wurde. Wir bestaunten bei Homs die hölzernen Wasserschöpfräder, die knarrend das Wasser des Orantes in Bewässerungskanäle für die trockenen Äcker schaufeln. Wir besichtigten die berühmte Wüstenstadt Palmyra, mit ihren Säulenstraßen, Triumphbögen und dem Baalstempel und begeisterten uns an Mazula, dem schönsten Dorf Syriens, wo man heute noch aramäisch, die Sprache Jesu, spricht.

Die Wärme (abgelöste Absätze beim Training in Bosra bei weit über 40 °C in glühender Mittagshitze) machte uns ein wenig zu Schaffen. Problematischer waren allerdings noch die Magen-Darm-Probleme, die fast alle Tänzerinnen und Tänzer (manche auch erst bei der Rückreise) erwischten. Aber auch das konnte die vielen positiven Eindrücke, die vor allem von der herzlichen Gastfreundschaft, der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Syrer geprägt waren, nicht beeinträchtigen.
Sehenwürdigkeit  Sehenwürdigkeit
links: Besuch der Festung in Aleppo; rechts: Das historische römische Amphitheater in Bosra am Tage.



Die Zeitung "Neue Buchholzer" schrieb dazu: