Amerika-Reise 2001

Am 20. September fuhren wir, die Folkloretanzgruppe der Musikschule Köpenick, zur 44. Steubenparade nach New York, weiter über Washington D.C., nach Indianapolis/Nashville zum Treffen mit der North American Federation of German Folkdancegroups. So war es geplant und alle Tanzvorbereitungen dafür liefen mit Treffs in Köpenick und Nordheide planmäßig ab. Für zehn Mitglieder aus unserer Folkloretanzgruppe der Musikschule Köpenick sollte dies der Höhepunkt in ihrem achtjährigen Bestehen sein.
Wir sollten alle "pflegeleicht" sein, so die Leiter der Deutschen Gesellschaft für Volkstanz, Helga und Wolfgang Preuß aus Buchholz/Nordheide. Alles war voll durchorganisiert.
Wir waren alle pflegeleicht, das merkte man bei beiden Treffen - wir waren wie eine große Familie die sich ewig kannte. Bloß mit den Namen haperte es noch. Aber auch das bekamen wir alles hin - obwohl die gesamt Teilnehmerzahl mit 33 Tänzerinnen und Tänzern groß war.
Doch zuvor kam der 11. September. Dienstags ist unser Probentag. Ich beginne mein Training um 16:00 Uhr und beende es gegen 20:30 Uhr. Wir probten für Tänze zum Whisky-Fest im Rathaus Köpenick am 14. und 15. September mit Tänzen aus Schottland und für Amerika. Die Presse hatte sich am 14. September angesagt, um mit Bild und Text einen Artikel am Tag unserer Abreise nach Amerika zu veröffentlichen. Wir hatten also ein volles Programm, da alles perfekt laufen sollte.
Genau um 18:30 Uhr platzte eine Tänzerin in den Unterricht und rief: "Amerika ist gestrichen." Sie fährt nicht – es sind Terroranschläge verübt worden. Das World Trade Center ist vollkommen zerstört. Ich hörte es nur von meinen Leuten. Jeder kam mit ernster Mine und meinte: "Es wird wohl nichts mit Amerika.". Alle waren erst einmal geschockt und ratlos. Was wird jetzt werden und wie geht es weiter? Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht, wir mussten unser Tanzprogramm durchziehen. Wir wollten uns dann telefonisch weiter verständigen.
Alle Veranstaltungen im Berliner Raum für den nächsten Tag wurden abgesagt oder teilweise verändert. Das Whisky-Fest fand aber statt. Die Presse war da und in unserer üblichen Ansage nahmen wir Anteil an dem Geschehen in Amerika. Wir saßen praktisch auf gepackten Koffern, trotzdem war alles offen. Die Presse machte ihre Bilder und ihren Bericht und wartet auch bis zum letzten Tag mit der Veröffentlichung.
Mit Familie Preuß waren viele Telefonate notwendig. Aus den USA kam die Bitte, auf jeden Fall zu kommen. Einige Teilnehmer waren bis zur letzten Minute unschlüssig. Letztlich haben sich 31 Leute aus Berlin, Hamburg, Lüneburg, Bremen, Buchholz, Salzgitter-Hagenbach und Württemberg für die Reise entschieden.
Zwei Tage vor dem Abflug kamen die Flugtickets, und einige zögerten noch immer zu fahren. Jeder wusste, die Steubenparade findet als Trauergottesdienst in der St. Patricks Cathedral statt, und der Empfang beim Bürgermeister Giuliani entfällt. Auch die Auftritte in New York fallen aus. Alles war klar durchgestellt. In diesem Moment war ich ehrlich froh, nicht der Organisator dieser Reise gewesen zu sein. Mein Problem war nur die Auftrittsmöglichkeit der Gruppe. Denn für mich war klar zu fliegen. Ein mulmiges Gefühl war trotzdem vorhanden. Beim Treffpunkt auf dem Flugplatz am 20. September 2001 hatte ich endlich Gewissheit, wer dabei sein wird. Dies war die Vorgeschichte zur Reise.
Die Presse (Berliner Morgenpost) hat super reagiert. Jörg brachte den Artikel mit zum Flugplatz und auch ein Fax unserer Leiterin der Musikschule, Frau Indetzki, mit allen guten Wünschen für die Reise. Im Zuge der Abfertigung beruhigten sich die Gemüter und ab ging es nach Frankfurt am Main. Einige unserer Hamburger fehlten dort. Ein Plattfuß hatte ihr Flugzeug außer Gefecht gesetzt, und sie sollten später direkt nach New York geflogen werden. Zeitlich wären wir alle dort gemeinsam angekommen.
Aber alles kam anders als gedacht und geplant - wie immer. Die Reise hatte ja auch schon unter anderen Vorzeichen angefangen. Warum sollte jetzt etwas klappen? Das passt so gar nicht ins Programm.
Die Hälfte der Gruppe flog nach Washington ab. Der Flug sollte um 17.00 Uhr losgehen. Ab da stand die Maschine abgefertigt auf dem Rollfeld und bewegte sich bis um 17.45 Uhr überhaupt nicht vom Platz. Für unsere zwei Erstflieger, Rosa und Lisa,die Angst vorm Fliegen hatten, war das vielleicht gut so. Mit 1,5 Stunden Verspätung, aber einem guten Flug, erreichten wir Washington ziemlich müde. Die Zollformalitäten dort mit unserem Gepäck, das Umladen und der lange Fußmarsch im Flughafengebäude verdrängten aber die Müdigkeit.
Dann kam das nächste Problem - der Koffer von Karl-Heinz war nicht dabei. Inhalt: Tracht, Teile des Bänderbaumes (gepumpt – klar versteht sich) und teure angefertigte Gastgeschenke – Fahnen, sowie private Sachen und dergleichen mehr. Der Flug nach New York verspätete sich wegen Unwetters und Personalmangel um ungefähr zwei Stunden und die Ankunft dort erfolgte auf einem nicht geplanten Flugplatz, dem Kennedy Airport. Der Bus war aber glücklicherweise trotzdem dort. Das Flugzeug war klein und dunkel, aber wir hatten trotzfrm genug Platz. In New York hatten wir dann noch 30 Minuten unfreiwilligen Aufenthalt im Flugzeug, weil die Tür klemmte. Die ersten probierten schon die Liegeflächen für eine längere Wartezeit aus. Doch endlich wurde hinten eine Nottreppe angelegt. So verließen wir das Flugzeug. Wir mussten viele Treppen rauf und runter und dann schnell, schnell in den Bus. Die Reiseleiterin trieb uns an. Die Zimmerverteilung erfolgte ein bisschen chaotisch im Bus.
Dann wurden wir aufs herzlichste begrüßt. Hier erfuhren wir auch, dass die Hamburger eine Nacht in Frankfurt bleiben mussten und erst am Freitag Nachmittag gegen 14:00 Uhr im Hotel zur Stadtrundfahrt erwartet wurden.
Eine Stunde dauerte die Busfahrt zum Hotel Pennsylvania mit vielen Erklärungen. Wir waren kaum noch aufnahmefähig, als der Bus aber den berühmten Broadway entlang fuhr, waren alle wieder munter. Das war schon was. Im Hotel ging alles rasch. Alle fanden ihre Zimmer und in der Hotelhalle trafen wir uns alles wieder, um nach Deutschland zu telefonieren. Jede Menge Polizei und Armee tauchte auf – es war richtig was los. Wir erfuhren später, dass viele Helfer in unserem Hotel untergebracht waren. Nur das Telefonieren klappte überhaupt nicht. Auch die Rezeption hatte Probleme nach Deutschland durchzukommen. Jeder wollte zu Hause Bescheid sagen, doch nichts ging. Irgendeine Stimme sprach immer Englisch dazwischen. Auch mit Visa lief nichts. Das reine Chaos. Genervt gingen wir nach 1,5 Stunden schlafen. Da hatten wir großen Nachholebedarf.

21.September

Vormittags hatte jeder sein eigenes Programm. Unter anderem erkundeten wir die Essmöglichkeiten. Etwa um 15:00 Uhr kam der Rest der Gruppe an - wie von einem Ausflug – ohne Gepäck. Es war schön jetzt alle beisammen zu haben, irgendwie hatten sie uns gefehlt.
Eine Vier-Stunden-Stadtrundfahrt war jetzt angesagt, mit Haltepunkten durch Harlem, den Hafen, die drei Brücken (bekannteste die Brooklyn Brigde) usw. Am Hafen sahen wir die verschmutzten Autos der Vermissten. Viele eingerichtete Gedenkplätze. Es war schon ein trauriges Bild. Man konnte gar nicht alles so schnell verarbeiten. Auch hingen vereinzelt noch die Fahnen für die Steubenparade.
Die Autos fuhren mit Landesfahnen und Sprüchen. Ein gemeinsames Abendessen mit der Reiseleiterin rundete den ersten Tag ab. Dann spazierten wir zurück zum Hotel. Nachfrage, wo die Koffer bleiben - erfolglos. Anrufe nach Deutschland konnten wir allerdings teilweise erledigen.

22.September

Am Morgen des 22. September trafen wir uns in Tracht um 8:15 Uhr in der Hotelhalle und gingen zusammen zur Kirche. Vorher habe ich einen Anruf aus Deutschland erhalten und somit war ich diese Sorge los. Umgekehrt klappte es anscheinend viel besser.

9.30 Uhr begann der Gottesdienst in der St. Patricks Cathedral – als Ersatz für die Steubenparade. Ein Trauergottesdienst für die Opfer des Anschlags, für die vielen Feuerwehrleute und die Polizisten. Mit einer Gedenkminute und der Eröffnung durch die Schirmherrin Frau Heide Simonis – Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein wurde der Gedenkgottesdienst teilweise in Englisch und in Deutsch gehalten. Zusammen mit der musikalischen Umrahmung war es sehr ergreifend. Ein Glück, dass wir aus Berlin kleine Fähnchen mitgebracht hatten, denn jeder trug seine Fahne. So konnten wir – die Hälfte in der Tracht, die andere Hälfte in weißen T-Shirt - unser Land als einzige angereiste deutsche Gruppe von geplanten 25 vertreten. Eine Persönliche Danksagung durch die offiziellen Stellen an unsere Leitung für unser Kommen war auch erfolgt.

Nach dem Gottesdienst formierte sich ein Umzug zu einer Feuerwache. Auch hier erfolgte eine Gedenkminute, verschiedene Ansprachen sowie eine Kranzniederlegung. Mit einigen Amerikanern kamen wir ins Gespräch und fotografierten. Sie sprachen gut Deutsch. Sie hatten in Deutschland gelernt. Von Zeitungsreportern, die durch unsere Tracht aufmerksam geworden waren, wurden wir unterwegs angesprochen. Sie konnten kaum glauben, dass wir angereist waren.
Im Hotel angekommen, hatten wir wenig Zeit. Mit der U-Bahn ging es dann Richtung Long Island zur Freiheitsstatue. Mit der Fähre fuhren wir einmal hin und zurück an der Freiheitsstatue vorbei. Die Sicht war leider diesig. Leider konnten wir nicht raufgehen. Zurück bummelten wir dann durch die Straßen Richtung Unglücksstelle. An der Brooklyn Brigde konnten wir noch unsere Fotos machen. Ungewollt wurden wir zum Unglücksort gelenkt und kamen ziemlich dicht an die Stelle heran. Natürlich alles mit Polizeibewachung. Trotzdem sahen wir noch wie alles qualmte und der Schutt abgefahren wurde.

The Metropolitan Opera New York Staub und schlechte Luft empfingen uns. Die Häuser vollkommen verschmutzt. Durch Häuserschluchten ging der Bummel weiter Richtung U-Bahn - dann zum Hotel. Hier fuhr die Bahn langsam durch unbeleuchtete Bahnhöfe ohne Halt, fast gespenstig. Irgendwie komisch, denn dieses eigenartige Gefühl kannten wir Berliner aus der Mauerzeit. Man kann es kaum beschreiben. Auch hier lag der Schmutz noch überall herum. Abends trafen wir uns gegen 20:00 Uhr zum Bummel über den Broadway bis zur Metropolitan Opera. Auf dem Weg dorthin haben wir viel erlebt und gesehen. Liane, Lisa und Rosa kamen uns entgegen . Sie hörten sich an der Met die Traueransprache des Bürgermeisters und den Gefangenenchor aus Nabucco an. Als wir ankamen sang Placido Domingo, alles wurde nach draußen auf eine große Leinwand für die Massen von Menschen übertragen. Das war ein unvergessenes Erlebnis für mich. Aber nur einmal in der Met zu stehen, wäre noch schöner gewesen. Leider gingen wir nach 30 Minuten wieder. Es fand sich niemand, der mit mir bis zum Schluss dort blieb. Des Englischen nicht mächtig und nachts allein zurück, war nicht mein Ding. Also fuhren wir per U-Bahn zurück, denn früh um 8:00 Uhr ging das Programm am nächsten Tag weiter. Wir fuhren nach Washington.
23.September
Gesangsgruppe

Am 23. September war für uns um 8:00 Uhr Abfahrt mit Halt in Philadelphia. Dort fand auch eine kleine Steubenparade statt. Wir fuhren mit dem Bus genau die Strecke. Diese findet eine Woche später als in New York statt. Mit unserer Reiseleiterin bummeln wir durch die historische Stadt am Delaware. Die Unabhängigkeitserklärung wurde hier formuliert und am 4. Juli 1776 unterzeichnet. Interessant ist das alte Postamt (noch in Betrieb) und die Druckerei. Bei der Besichtigungstour brachte uns eine kleine Gesangsgruppe im historischen Kostüm Lieder zu Gehör. Sehr beeindruckend alles.
Dann fuhren wir weiter nach Washington, Hotel Plaza, wo wir um 17:00 Uhr ankamen. 18.30 Uhr trafen sich einige für einen Stadtbummel mit Wolfgang. Helga telefonierte wegen des Gepäcks - leider ergebnislos. Wir besuchten einige Objekte - unter anderem Weißes Haus und Capitol mit heller Beleuchtung. Ein Glück, denn das waren diesbezüglich die einzigen Fotoaufnahmen. Unsere Leute ohne Koffer taten einem richtig Leid. Aber als "pflegeleicht" ertrugen sie es mit einigem Humor. Nun hatten wir auch mit vier Personen ein Zimmer mit zwei Betten. Man dreht sich nachts normalerweise öfter, wie bekannt, der andere hat dann immer das Vergnügen, das mitzuerleben. Denn die große Matratze setzte jede Bewegung in Wellenlinien um, so dass der Mitschläfer auch umgekehrt in den vollen Genuss kam. Nicht gerade schön, aber nicht zu ändern.

24.September

Um 9.00 Uhr haben wir mit einer Reiseleiterin eine Stadtrundfahrt unternommen. Die Reiseleiterin war eine tolle Frau, mit einem umfangreichen Wissen, einer spitzen Zunge, einer trockenen und humorvollen Art, das Gesagte anzubringen, auch durch die Blume und zwischen den Zeilen zu sprechen. Es machte richtig Spaß zuzuhören und alles aufzunehmen.Der erste Weg führte uns zum „Ich bin ein Berliner“. Der Grabstätte von John F. Kennedy und der Familie sowie Robert Kennedy. Danach ging es weiter zum Weißen Haus, wo die Presse bereit stand und auf die Presseerklärung des Präsidenten Georg W. Bush wartete.

Vor dem weißen Haus durften wir ein durch die Polizei genehmigtes Foto machen - erfragt durch die Reiseleiterin. Vor dem Capitol im Park wo alle Reden ins Freie übertragen werden, hielt die Reiseleiterin eine Ansprache an uns. Sehr interessant. Gruppenfoto Die Reiseleiterin

Im Lincoln Memorial Museum, beim hohen Gericht und den vielen Kriegerdenkmälern erfuhren wir eine Menge und der Kopf hatte zu tun, alles zu verarbeiten. Unsere Reiseleiterin telefonierte noch immer wegen der fehlenden Koffer und berichtete uns bei der Nachtrundfahrt die Ergebnisse. Zu Deutsch, die Koffer standen in Frankfurt am Main und sollten dann nach Indianapolis gebracht werden, da wir nur immer eine Nacht Zwischenstation machten. Auch sie bedankte sich bei der Gruppe für den Mut diese Reise gemacht zu haben, und freute sich, uns die Stadt zu zeigen, die zu dieser Zeit nur wenige Touristen aufzuweisen hatte.
Es machte richtig Spaß mit der Gruppe zu reisen. Wir verstanden uns alle sehr gut. Es war im Bus und auch so eine gute Stimmung. Rheinhardt sorgte für das Chorprogramm zu Deutsch, für den Gesang im Bus.
Ab 14:00 Uhr hatten wir Freizeit. Jeder bummelte durch die Stadt. Ich in der Hoffnung, das Hotel wieder zu finden. Im Kaufhaus traf ich die Hamburger auf allen Etagen bei ihren Einkäufen – Sachen und Schuhe und dergleichen mehr wurde gebraucht. Denn eine Woche Überbrückung ist lange. Jeder suchte und fand etwas und scheinbar war Partnerlook angesagt. Sie ähnelten sich irgendwie alle. Karl-Heinz lief mir über den Weg und gemeinsam wollten wir zurück, doch der Regen hinderte uns daran. Wir wagten es trotzdem, verloren uns und fanden uns wieder. War richtig lustig am Anfang, aber ein plötzlicher starker Regenguss mit Sturm war unangenehm. Alles flog durch die Gegend und kalt wurde es auch. Einzeln trafen wir durchnässt im Hotel ein. Abends um 20:00 Uhr tarfen wir uns zur Nachtfahrt im strömenden Regen. Das John F. Kennedy Center mit der Halle der Kennedys und der Halle der Nationen stand auch auf dem Programm. Vor dem Opera Theater war alles aus bekannten Gründen abgesperrt und eine Besichtigung nicht möglich. Schade, laut Karte ist es ein wunderschönes Theater.
The Kennedy Center The Grand Foyer The Hall of Nations
Der schönste Bahnhof - Main Hall Union Station – wurde auch von uns besucht. Hier wurden wir durch einen dunkelhäutigen Polizisten in einer schmucken weißen Uniform laufend am Fotografieren gehindert. Keine Chance. Er schlich wie ein Fuchs um uns herum. Aber wir überlisteten ihn doch streckenweise und schossen unsere Bilder. Weiter ging es bei unserer Nachtfahrt vorbei an der großen Bücherei, am Weißes Haus und am Capitol (nicht beleuchtet aus bekannten Gründen). Dann fuhren wir durch das vornehme Viertel mit all seinen schönen großen Botschaften. Hinter der italienischen Botschaft liegt das Haus von Bill Clinton. Zurück zum Hotel saßen wir in einer großen Runde beim Bier in der Hotelhalle.

25.September

Um 9:00 Uhr war bereits all unser Gepäck im Bus verstaut, danach aßen wir Frühstück und bummelten bis 14:00 Uhr durch die Stadt. Mein Weg führte mich mit ein paar Leuten zum Luftfahrt- und Raumfahrtmuseum. Nach einer strengen Taschenkontrolle konnten wir passieren. Beeindruckend die Raumstation, Raketen, alle Flugzeuge und auch der erste Hubschrauber - ein schmuckes Stück. Die Zeit verging wie im Fluge. Und wir mussten zurück zu Fuß. Hin waren wir mit der U-Bahn gefahren – ein schöner Bahnhof übrigens.
Um 14:00 Uhr war dann die Abfahrt nach Gettysburg durch die Bundesstaaten Maryland und Pennsylvania. Wir bezogen unser Quartier und machten einen Stadtbummel mit Einkauf, geführt von Helga und Wolfgang. Für Schnappschüsse blieb trotzdem Zeit. Abends stärkten wir uns in einem Schnellimbiss. Dann hatten wir mehr Zeit zum Bummeln durch die interessante Stadt.

26.September

Am 26.September mussten wir wieder zunächst unsere Koffer verladen, dann gab es Frühstück und um 8:30 Uhr war bereits die Abfahrt zur Besichtigung der Schlachtfelder. Leider in englischer Sprache. Heidi übersetzte einiges. Hier kämpften die Nord- und Südstaaten gegeneinander. Das Schlachtfeld ist gewaltig groß, viele Denkmäler und Kanonen an Kanonen, soweit das Auge reicht. Dies war die letzte Schlacht auf eigenem Boden 1863.
Ansprache, gehalten bei der Einweihung des Friedhofs zu Gettysburg Schlacht Nord und Südstaaten 1863
Danach hatten wir noch eine Stunde Freizeit. Um 11:45 Uhr war dann die Abfahrt nach Wheeling zur Zwischenübernachtung. Die Fahrt ging vorbei an bezaubernden Landschaften, Wäldern, Bergen und Seen und interessanten kleinen Häusern und Kirchen. Um 17:00 Uhr kamen wir im Best Western Hotel Wheeling. Jetzt mussten wir die Uhr noch eine Stunde zurück stellen, womit wir insgesamt sieben Stunden Zeitunterschied hatten. Einige Hamburger trugen unsere Koffer, damit sie wissen wie sich so etwas anfasst, meinten sie. Ja, der Humor blieb nicht auf der Strecke. Im Bus war das erfrischend und lustig. Das machte Spaß. Vor unserem Hotel ging eine lange Brücke über den Fluss Ohio, der dann in den Mississippi fließt. Hier mussten wir natürlich rüber. Die Brücke war interessant gepflastert. Es waren eigenartige Gitter und der ganze Dreck flog sofort durch in den Fluss. Wir fanden noch eine große Eishalle, konnten aber leider von Außen nichts sehen. Zum Abschluss besuchten wir noch eine Bar. Bei einem Whisky und Bier gesellten sich noch ein paar der Leute dazu und es war recht nett.

27.September

Nach dem Frühstück im Hotel ging es um 9:00 Uhr weiter. Eine abwechslungsreiche Landschaft rauschte an uns vorbei, hübsche Häuser und auch viele Fahnen – an den Häusern und an den Autos. Viele Sprüche – für die nicht englisch Sprechenden nicht übersetzbar.
Circa 15:00 Uhr war unsere Ankunft in West Virginia in Nashville/Indiana. Es gab ein großes Geschrei, denn die Koffer waren endlich da, kaum zu glauben, aber es war tatsächlich so - bloß einer fehlte, der von Karl-Heinz mit allen wichtigen Sachen. Warum musste er aber auch ab Bremen fliegen? Mensch war das ärgerlich. Die Gastgeschenke konnten wir unter Ulk verbuchen. Wir wurden noch gar nicht richtig erwartet, waren zu früh. Wir verabschiedeten uns vom Busfahrer, da es für ihn zurück ging, wir machten noch einige Fotos, bezogen unsere Zimmer beziehen und so verging die Zeit wie im Flug.
Um 16:00 Uhr wurden wir durch die amerikanischen Gastgeber begrüßt. Ein herzlicher Empfang, eine nette Begrüßung und viel Dank, dass wir gekommen sind. Die Leitung unterstand der North American Federation of German Folkdancegroups – Pete und Ginnvor Bullard. Wir erfuhren viele wichtige Hinweise für das Programm der nächsten Tage. Danach war Freizeit und jeder erkundete die Stadt auf seine Weise und stellte fest, dass wir in einer hübschen kleinen Ortschaft waren. Wir bestaunten unter anderem die vielen kleinen Geschäfte, das viele Grün und ein kleines Theater. Das Glockenspiel der Kirche hatte eine sehr hübsche Melodie hörte gar nicht auf. Man musste einfach stehen bleiben. Dann besorgte sich jeder etwas Essbares oder ging in ein naheliegendes Steakhouse oder ähnliches essen.
Abends war Training für alle, um die geplanten Tänze durchtanzen. Im Anschluss sind wir unser köpenicker Programm durchgegangen. Danach nahmen wir wieder die Bar bzw. Hotelhalle in Beschlag. Man unterhielt sich mit den Gästen bzw. sie sprachen uns an.

28.September

Am 28.Septmber stand eine Busfahrt nach Indianapolis mit Besichtigung durch die Gastgeber bzw. Stadtbummel zum Indianermuseum Eiteljorg auf dem Programm. Vieles Interessante war zu sehen, leider duften wir auch hier keine Fotos machen.

Eiteljorg Museum Eiteljorg Museum
Um 13:00 Uhr machen wir im Deutschen Haus Mittagspause. Der dortige Leiter führte uns durch das Haus und lud anschließend zu einem weiteren Essen ein. Mit einem Gastgeschenk verabschiedeten wir uns und bummelten weiter. Unsere Gastgeschenke mussten ja auf Sparflamme verteilt werden, da Karl-Heinzen‘s Koffer irgendwo umherreiste. Andere hatten auch noch Kleinigkeiten mit, und so retteten wir uns über die Runden.
Theatersaal Wir besuchten eine schottisch-irische Cathedrale, die so aussah, aber keine war. Dieses Haus wird als Kultur- und Begegnungsstätte oder so ähnlich genutzt. Es ist ein wunderschönes Gebäude, welches im schottischen historischen Stil gebaut wurde. Es besitzt wunderschön gesteltete, dunkelbraune Holzarbeiten. Der Theatersaal sowiedie hübschen bunten Bleiglasfenster sind eine Augenweide, wirklich wunderbar. Dieses Haus steht unter Denkmalschutz.
Am Nachmittag hatten wir frei - 2,5 Stunden zum Bummeln - die Tanzgruppe übte allein. Zum Abend gab es dann die erste gemeinsame Probe mit unserem gedruckten T-Shirt, da die Koffer ja endlichbda waren. Wir tanzten Mitmachtänze, deutsche und amerikanische Tänze sowie Mixer und Rounds. Alles ging nahtlos ineinander über, das heißt beide Seiten hatten sich gleich gut auf dieses Tanzprogramm vorbereitet. Der Höhepunkt war eine Kurzlehrgang im Line-Dance, für uns neu und gar nicht gleich verständlich.

Tanz Später lief es dann aber gut. Vor allen Dingen machte es viel Spaß, auch mit den Amerikanern zu tanzen. Alle gaben sich Mühe.
Wenn man bedenkt, dass viele zwei bis drei Tage mit dem Auto eine Tour von weit her angereist waren, um hier teilzunehmen, waren doch alle konzentriert beim Tanzen. Wir waren hier - wie auch scheinbar an bei allen anderen Orten - die einzige deutsche Gruppe im Landstrich. Man rechnete es uns hoch an, dass wir gekommen sind.
Zum Abschluss fanden wir uns in der Hotelbar wieder zum Bier ein.
     
29.September

Bereits morgens um 9:00 Uhr ging es mit dem Lehrgang weiter - hier mussten die restlichen Leiter von uns ran, so auch ich mit gemischten Gefühlen wegen der englischen Sprache. Aber der Siebenschritt ging besser, als ich dachte. Zum Mittag war frei und das Steakhouse gehörte uns. Nachmittags war wieder Training, wo neue Amerikaner hinzu kamen. Auch der Rühler Springer wurde dann von mir noch gelehrt.
Abends ging es in Tracht zum gemeinsamen großen Truthahnessen am runden Tischen. Es gab viele Köstlichkeiten. Es war hervorragend und hat wunderbar geschmeckt. Die Gastgeber haben sich viel Mühe gemacht - mit vollem Erfolg. Es war eine gelungene Sache. Zuvor, um es nicht zu vergessen, wurde an die Opfer gedacht und eine Gedenkminute eingelegt. Leider sind nicht 64 Personen, sondern ca. 32 Leute gekommen. Danach ging im Saal das Tanzprogramm über die Bühne. Unsere Gruppe eröffnete mit einem ca. 40-Minuten-Programm von neun Tänzen. Unser Programm bestand aus Auf- und Abgang, Ansage, Choreografien für die Bühne und ziemlich flotten Tänzen, wie wir es gewohnt waren. Es kam wohl gut an.
Danach tanzten die anderen und wir hatten Pause, das heißt, ich tanzte als Reserve noch mal ungeplant mit. Das klappte sogar ganz gut, bis auf den Matrosentanz oder -schritt, keine Ahnung. Äußerste Konzentration und abgucken war angesagt. Lief aber noch ganz gut. Danach war für alle wieder Tanzen angesagt, mit Mitmachtänzen auf beiden Seiten.

Gruppenbild

Es machte richtig Spaß. Leider zogen die Amerikaner nach und nach von dannen, da sie eine weite Heimreise vor sich hatten. Der Saal lehrte sich bis kurz vor Mitternacht. Wir fanden es sehr schade, da wir wie immer sehr viel Freude beim Tanzen hatten und dadurch die Zeit wie im Flug verging. Bei einem Bier in der Hotelhalle ließen wir diese schönen Tanztage ausklingen.

30.September

Am Vormittag des 30. Septmber spazierten wir noch einam durch die kleine hübsche Ortschaft und gaben unsere letzten Dollar aus.
Blockhaus Strasse
Um 14:00 Uhr wurden wir mit privaten PKWs abgeholt und zum Blockhaus der Tanzleiter Pete und Ginnvor gefahren. Hübsche Häuser und gepflegte Gärten zogen vorbei. Es gab mit einigen Amerikanern eine Grillparty, ein duftes Buffett, einschließlich der Getränke. Es war ein wunderschöner Nachmittag - eine gelungene Party. Wir sahen uns dann die Anfertigung der Glassachen von Pete an und bekamen jeder persönlich das Wappentier der Gegend überreicht.
Unsere Gastgeschenke übergaben wir bereits am Sonnabend als nur kleines Dankeschön. Denn der besagte Koffer war ja weg.
Um 18:00 Uhr ging es wieder zurück zum Hotel. Wir packten unsere Koffer und vereinzelt saßen wir noch zum Umtrunk an der Bar, denn die letzten Stunden rückten näher. Der Abschied kam so schnell. Die restliche Zeit verlief wie im Fluge. Die Reise machte wirklich viel Spaß. Leider konnten wir keinen Tanz von dort mitnehmen. Wir verabschiedeten uns sehr herzlich von unseren amerikanischen Tänzern.

1.Oktober

Um 5:00 Uhr früh ging es zum Flugplatz in Indianapolis und von dort per Flugzeug nach Chicago. Dort hatten wir eine lange Wartezeit und die Chinesen mit ihrem Essen waren uns in den USA richtig lieb geworden. Die Wartehalle lud zum Bummeln ein.
Gegen 14:45 Uhr wurde unsere Maschine aufgerufen und beladen. Dann ging es ab nach Frankfurt am Main, früh gegen 6:00 Uhr trafen wir dort ein und die Wartezeit von über zwei Stunden bis zum nächsten Abflug verlief ziemlich schnell. Die erfolgte die nächste Verabschiedung und jeder flog in seine Heimatrichtung. Gegen Mittag waren wir in Berlin-Tegel. Meine Reisetasche war zum Abschluss weg - in Frankfurt vergessen worden. Abends gegen 22:45 Uhr wurde sie mir dann nach Hause gebracht. Adolf hatte noch vorher geflachst – hoffentlich sind eure Koffer jetzt nicht weg?
Der Jetlag machte uns zu schaffen, auch mit dem Essen - zeitmäßig - war es anfangs nicht so einfach. Ende Januar 2002 treffen wir uns in Duderstadt zum Austausch von Bildern und Videos.
Zum Schluss ist festzustellen, dass es richtig war zu fahren. Die Ängste waren doch sehr schnell abgebaut, durch die herzliche Aufnahme bei den Amerikanern. Die Polizei war überall zugegen. Abstriche vom Programm zu Beginn mussten gemacht werden. Es war eine angenehme und pflegeleichte Truppe. Wir haben viel gesehen und erlebt. Die Tanztage in Nashville und die gemeinsamen Stunden dort waren sehr schön – nur leider zu kurz.

Hiermit möchte ich eine großen Dank an die Amerikaner aussprechen, die diese Stunden zum Erlebnis werden ließen. Sie haben sich sehr bemüht, um uns alles so angenehm wie möglich zu machen, damit wir so ein großes Erlebnis mit nach Deutschland nehmen konnten.

Das Berliner Abendblatt schrieb dazu...

ein weiterer Artikel des Berliner Abendblattest

Ein voller Erfolg